Brauchtum
Fackelumzug / Scheibenschiessen
Am Sonntag nach dem Aschermittwoch kann man mit einem traditionsreichen Brauch von der Frau Gugger-Fasnacht Abschied nehmen. Vom COOP Parkplatz aus marschiert ein Fackelumzug in Richtung Räbhügel, von wo glühende Holzscheiben in den Nachthimmel geschleudert werden. Dieser Brauch ist nicht nur im Leimental, sondern auch im benachbarten badischen Raum verbereitet. Er dient dazu, den Winter auszutreiben. Hansruedi Thüring-Favre erzählt in der Ettinger Heimatkunde: <<Als kleiner Junge durfte ich eine Laterne mit zum Fasnachtsfeuer tragen. Damit konnte ich dann unserem Nachbarn „Fels“ (Peter Thüring), dem aus meiner Sicht besten Posaunisten, die Noten beleuchten. Mit viel Stolz hielt ich dann von den Armen meines Vaters aus die Laterne über seine Schulter. Ungefähr mit zehn Jahren wurde ich dann zusammen mit meinen Cousins vom Grossvater in die Kunst des „Schiibemachens“ eingeführt. Es mussten viele Verletzungen vom „Sächsli“ (Gertel) oder „Hoogemässer“ hingenommen werden, bis die „Schiible“ einigermassen rund gerieten. Die Freude am Schiessen aber konnte weder von ovalen Scheiben noch von solchen mit einem exzentrisch gebohrten Loch getrübt werden. Hauptsache, sie waren selbst gemacht und das ersehnte Spektakel konnte stattfinden. Während dieser gemeinsamen Stunden am Haublock entstand eine natürliche Rivalität, wer wohl die schönste Scheibe herstelle. Die Zeit verstrich unter diesen Diskussionen noch schneller, und im Nu waren 100 bis 150 Stück fertiggestellt. Andere Kinder sammelten die verschossenen Scheiben am nächsten Morgen ein und kamen so zu „ihrer“ Munition für das nächste Jahr.
Palmen binden
Der Brauch des Palmen bindens vor dem Palmensonntag hat seine Wurzeln im christlichen Glauben und geht bis in die Antike zurück.
Im Zentrum steht der biblische Bericht vom Einzug von Jesus Christus in Jerusalem. Laut dem Neues Testament begrüssten ihn die Menschen mit Palmzweigen und legten diese auf den Weg als Zeichen der Freude und Verehrung. An diesen Einzug erinnert der Palmensonntag der den Beginn der Karwoche markiert.
Da in Mitteleuropa keine Palmen wachsen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte ein regionaler Ersatz. Man verwendete Zweige von Buchsbaum Weide Tanne oder Eibe. Diese wurden kunstvoll gebunden und geschmückt oft mit Bändern Äpfeln oder Kreuzen. So entstanden die Palmen wie sie heute besonders in katholisch geprägten Gegenden bekannt sind. Die gebundenen Palmen werden am Palmensonntag gesegnet und häufig mit nach Hause genommen. Dort dienen sie als Schutzzeichen für Haus und Hof. In manchen Regionen werden die getrockneten Palmen im folgenden Jahr verbrannt und ihre Asche für den Aschermittwoch verwendet. So schliesst sich der liturgische Kreis.
Der Kulturhistorische Verein veranstaltet jährlich vor dem Palmensonntag ein öffentliches Palmen binden auf dem Parkplatzes des Guggerhuus. Dabei unterstützen die Vereinsmitglieder die Besucher beim binden der Palmen und stellt die Palmenzweige kostenlos zur Verfügung.
Pfingstsblitter oder Pfingstblütter
Am Pfingstmorgen treiben sich seltsame Wesen im Dorf herum. Die Pfingstblitter oder Pfingstblütter teilen ihren Segen mit Brunnenwasser an die Schaulustigen aus und erweisen den Anwesenden durch Verneigen die Reverenz, wird in alten Büchern berichtet. Dieser, im letzten Jahrhundert verbreitete Fruchtbarkeitsbrauch war im Leimental eingeschlafen.
In Ettingen erlebte er bereits eine zweifache Renaissance. Auf Initiative von Emma Stöcklin in den dreissiger Jahren wieder aufgenommen, war er bis in die fünfziger Jahre aus Ettingen nicht mehr wegzudenken. Nach zwanzigjähriger Unterbrechung wurde er 1976 erneut vom Kulturhistorischen Verein wieder aufgegriffen. Ursprünglich tauchten die „Pfingstblitter“ das Laub ins Wasser und bespritzten die heiratsfähigen Mädchen, die auf dem Nachhauseweg aus der Kirche an den Brunnen vorbei spazierten, um sie mit Fruchtbarkeit zu segnen.
Räbeliechtli ein Martinibrauch
Nur wenige Heilige sind – über alle Konfessionsgrenzen hinweg – bei den Christinnen und Christen so beliebt wie jener Martin, den das Volk von Tours im Jahre 371 zu seinem Bischof gewählt hat. Die eindrücklichste Tat geschah freilich noch vor dessen Taufe. Die Überlieferung sagt, dass dieser Martin während seiner ungeliebten Soldatenzeit am Stadttor von Amiens den Mantel mit einem frierenden Bettler geteilt hat. Bischof Martin starb am 08. oder 11. November 397.
In ganz Europa finden sich Kapellen, Kirchen und sogar Ortschaften, die den Namen des frommen und bescheidenen Helfers tragen. Schon sehr früh wurde er einer der populärsten Heiligen. Der Gedenktag des Bischofs von Tour fällt in die Endzeit des Kirchenjahres. Vermutlich markierte Martini den Beginn einer achtwöchigen Adventszeit, des sog. „Martinifastens“. Deren Schlusspunkt, Epiphanias am 06. Januar, war im frühen Christentum neben Ostern der zweite Tauftermin.
Doch nicht nur im Kirchenjahr zeigt das Kalenderblatt am 11. November ein wichtiges Datum an. Es ging an jenem Tag auch ganz weltlich zu und her. Der Martinstag war ein wichtiger Abgaben- und Markttermin. Das rührt freilich von der Jahreszeit her: Die Ernte war eingefahren und konnte, ebenso wie das gemästete Vieh und Geflügel, verkauft werden. Schliesslich bezeichnete der 11. November auch jenen Tag, an dem Verträge erloschen und die Dienstboten wechselten.